Freizeit

Über Chläuse, Bratwürste und Apfelköniginnen

Ein Gefühl von Identität und Kontinuität: Das verleihen Traditionen und Bräuche – und im Wilden Osten gibt es unzählige davon. Die Silvesterchläuse in Appenzell, das traditionsreiche St.Galler Kinderfest, das in der Stickerei- und Textilindustrie seinen Ursprung hat, oder die Wahl der Thurgauer Apfelkönigin – um nur einige zu nennen.

Tradition ist gemäss Definition etwas, das seit langer Zeit üblich ist, ein Brauch, eine Überlieferung, eine Gepflogenheit. Nicht für jedermann gilt das Gleiche als Tradition – doch genau diese Tatsache macht die Vielfältigkeit und Menge aus. So spielen sich auch in der Ostschweiz Jahr für Jahr wiederkehrende Veranstaltungen, Messen, Riten und verschiedenste gemeinsame Gepflogenheiten ab, die Menschen zusammenbringen und ihnen Halt geben. Im Kanton St. Gallen findet jeden April die Frühlings- und Trendmesse OFFA statt. Im Frühsommer geht es alle drei Jahre weiter mit dem beliebten Kinderfest, wo Primarschulkinder sowie Sekundarschülerinnen und -schüler aller städtischen Schulen St. Gallen in einen fröhlichen Festplatz verwandeln. Ob es nun offiziell eine Tradition ist oder nicht – für die meisten Ostschweizer gehört das OpenAir St.Gallen fix in die Jahresplanung. Am letzten Juni-Wochenende wird das Sittertobel zu einer Bühnen- und Zeltstadt. Im Oktober steht dann die OLMA an, die Messe für Landwirtschaft und Ernährung, die von nationaler Bedeutung ist. Bald schon 80 Jahre gehört dieser Anlass zum Ostschweizer Veranstaltungskalender.

«Chläuse» mal anders

In den beiden Halbkantonen Appenzell Inner- und Ausserrhoden sind Traditionen ebenso wenig wegzudenken. So erscheint die Innerrhödler Landsgemeinde im Jahre 1403 das erste Mal in den Geschichtsbüchern. Heutzutage versammeln sich jedes Jahr alle stimmberechtigten Frauen und Männer am letzten Sonntag im April auf dem Landsgemeindeplatz, um über wichtige politische Entscheide abzustimmen. Drei Monate später findet seit über 20 Jahren das Appenzeller Ländlerfest statt – das Eidgenössische Volksmusikfest. Heute ist die Begeisterung grösser denn je, denn der Anlass zählt zu den grössten seiner Art. Genauso unverzichtbar sind die Silversterchläuse. Mit diesen «schöne, wüeschte und Natur-Chläus» wird im Appenzellerland die Jahreswende gleich zweimal gefeiert. Nach dem gregorianischen Kalender am 31. Dezember und nach dem julianischen am 13. Januar. In den frühen Morgenstunden ziehen die Silvesterchläuse los und wünschen mit ihrem Gesang und dem traditionellen «Zäuerli» allen ein gutes neues Jahr.

Jahrhundert für Jahrhundert

Im Kanton Thurgau gibt es nebst der jährlichen Wahl zur Apfelkönigin von Mostindien – was als geläufiger Spitzname für den Apfelkanton gilt – eine weitere Tradition, die gemäss einer Legende seit dem 15. Jahrhundert gepflegt wird: die «Groppenfasnacht Ermatingen». Erste detaillierte Aufzeichnungen stammen vom Ende des 19. Jahrhunderts, als es die ersten Umzüge gab. Im 21. Jahrhundert besteht das Groppenkomitee aus rund 50 «Groppen», die sich tatkräftig bemühen, diese Tradition zu erhalten und mit modernem Leben zu füllen.

Das sind nur einige der Brauchtümer und Riten, die in den vier Kantonen der Ostschweiz gehegt und gepflegt werden. Kommen Sie selbst in den Wilden Osten und finden Sie Ihre Traditionen.

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