Der Wilde Osten

Drei Generationen Frauen für den Walter Zoo

Seit rund 60 Jahren können in Gossau, St.Gallen, Tiere aus aller Welt besucht werden. Diesen Zoo hat die Ostschweiz der kürzlich im Alter von 93 Jahren verstorbenen Edith Pischl-Linder zu verdanken. 1961 gegründet, spielte sie bis ins hohe Alter eine wichtige Rolle im Alltag des Walter Zoo (früher Tierli Walter).

«Frau Tierli-Walter», Edith Pischl-Linder, die den Walter Zoo zusammen mit ihrem Mann Walter gründete und aufbaute, stand noch mit weit über 80 Jahren im Kassahäuschen, verkaufte Eintritte oder befüllte über 500 Futtersäckchen pro Tag, welche die Zoobesucherinnen und -besucher anschliessend den Tieren verfüttern konnten. Sie liebte das rege Treiben an den Wochenenden und war immer voller Herzblut dabei, auch wenn sie die Leitung des Zoos bereits 1985 in die Hände der nächsten Generation, ihrer Tochter Gabi Federer, übergab.

Mensch und Tier waren immer willkommen

Nachdem Edith Pischl-Linder ihren Ehemann Walter, der ein Vollblutartist aus Österreich war, kennen lernte, zogen sie während zwei Jahren mit dem Zirkus Nock in einem kleinen Wohnwagen durch Europa. In den kälteren Monaten traten sie als «Die Waltons» in Deutschland auf und zeigten Nummern mit Affen und Hunden. Doch nachdem die beiden ihr erstes gemeinsames Kind bekamen, wurden sie sesshaft. Edith und Walter kauften ein Bauernhaus auf dem Hügel in Gossau. Ehemann Walter führte regelmässig die noch heute bestehenden Schultierschauen durch und immer mehr tierische Mitbewohner kamen dazu. Es entstand ein neues Gehege nach dem anderen. Laut Tochter Gabi Federer waren bei Edith Pischl-Linder immer alle willkommen gewesen – egal ob Mensch oder Tier.

So wollten immer mehr Menschen sehen, welch besondere Tiere bei der Familie Pischl lebten. Die Familie entschied sich, Eintritt zu verlangen, um die Unterhaltskosten besser decken zu können. Der Grundstein für den Walter Zoo wurde somit Anfang der 60er Jahre gelegt. 1973 entstand mit dem ersten Grossprojekt der Familie das Affenhaus. 1983 kamen dann der Huftierstall und neue Vogelvolièren dazu.

Übergabe an die zweite Generation

1985 war für Walter und Edith Pischl der Zeitpunkt gekommen, um die Leitung des Zoos an ihre jüngste Tochter Gabi Federer zu übergeben. So wurde aus dem Tierli Walter der Walter Zoo. Fortlaufend kamen auf dem Zoogelände neue Gehege dazu. Auch neue Ideen für die Beschaffung finanzieller Mittel mussten ständig gefunden werden.

2001 wurde aus dem Privatzoo eine gemeinnützige Aktiengesellschaft. 2017 kam das Savannenhaus dazu, 2018 eine Löwenanlage und die Zooschule.

Zur Ruhe kommen konnte Edith Pischl-Linder nie wirklich. Ihr war immer wichtig, zu wissen, wie es im Zoo läuft – schliesslich war es ihr Lebenswerk. Edith Pischl-Linder war auch sehr stolz auf ihre Enkelinnen Karin und Jeannine Federer, die unterdessen ebenfalls Teil der Geschäftsleitung sind.

Nach dem Tod von Walter Pischl wurde zu seinem Gedanken im Walter Zoo eine Löwenstatue aufgestellt. Bald wird eine Löwin dazukommen. «Das passt gut zu meinem Mami. Sie war eine starke Frau, eine Anführerin und eine Beschützerin», so Gabi Federer gegenüber dem St.Galler Tagblatt.

Das Lebenswerk von Edith Pischl-Linder und ihrem Mann Walter lebt also gebührend weiter.

Ähnliche Beiträge

Der Verein Ostwärts verwendet Cookies, um dir den bestmöglichen Service zu gewährleisten. Wenn du auf der Seite weitersurfst, stimmst du der Cookie-Nutzung zu.

Ich stimme zu.

Bitte benutzen Sie einen moderneren Browser