Der Wilde Osten

Das war (k)ein gutes Jahr für die Ostschweiz

Die Rückschau auf ein zu Ende gehendes Jahr ist immer eine Frage der Perspektive. Aus Ostschweizer Sicht hat 2019 einige Unannehmlichkeiten mit sich gebracht. Aber auch zarte Anzeichen auf ein Erstarken des Landesteils auf nationaler Ebene. Wir haben es in der Hand, wie es weitergeht. Von Stefan Millius, Die Ostschweiz Publiziert am 30. Dezember 2019

Es gab in den vergangenen zwölf Monaten kein Thema, das aus Ostschweizer Sicht so prägend war wie die St.Galler Spitäler. 2019 geht in die Geschichte ein als das Jahr, in dem die Misere so richtig zutage trat. Entstanden ist sie allerdings lange vorher, und wir haben das in einer Serie von Beiträgen offen gelegt. Noch immer wird die Debatte aber beherrscht von Widerstand einzelner Regionen gegen eine Schliessung – oder zumindest einer Degradierung – «ihres» Spitals. So verständlich das ist, nun ist die Zeit angebrochen, in der das St.Galler Gesundheitswesen sozusagen ganzheitlich genesen muss; Flickwerk ist nicht mehr gefragt. 2020 werden die Spitäler ein grosses Thema bleiben. Aber nach wie vor weigert sich die Politik auf allen Ebenen, das anzuerkennen – oder zuzugeben – was eigentlich Sache ist: Dass schon vor Jahren in eine völlig falsche Richtung vorgespurt wurde. Die Offenheit zu dieser Erkenntnis würde helfen, die Zukunft zu stemmen.

Auf der positiven Seite war 2019 das Jahr, in dem Ostschweizerinnen und Ostschweizer auf allen Ebenen zumindest im Gespräch waren für höhere Weihen. Für einen Landesteil, der sich chronisch missachtet fühlt, ist das beachtlich. Für wichtige nationale Verbände oder Parteien wurden Ostschweizer gehandelt oder werden es immer noch. Das beweist vor allem eines: Aus dem «Osten» zu sein ist keineswegs ein Ausschlusskriterium. Man muss zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein und es sich auch zutrauen – dann kann es klappen. Vielleicht steht der Schweizerische Gewerbeverband bald unter Ostschweizer Führung, vielleicht die SVP. Und bei diesen Dingen ist es wie bei allen: Ist der Anfang gemacht, rollt es danach. Wir hatten vermutlich schon eine Weile nicht mehr zeitgleich so vielversprechende eidgenössische Parlamentarier aus verschiedenen Ostschweizer Kantonen vereint. Dafür spricht, dass einzelne von ihnen innerhalb kurzer Zeit zu wichtigen Wortführern und Ansprechpartnern in ihren Fraktionen wurden.

Aber zu vieles ist derzeit noch Zufall, es fehlt die Systematik. Um langfristig als Landesteil Gehör zu erhalten, wäre es wichtig, dauernd am Ball zu bleiben. Und die Grundlage dafür ist das Verständnis als Ostschweizer. Wir sind noch zu oft St.Galler, Thurgauer, Innerrhoder und Ausserrhoder. Anderen Teilen der Schweiz gelingt es besser, sich als Ganzes zu sehen und entsprechende Forderungen anzumelden. Auch hier gilt: Die Voraussetzungen sind besser als auch schon. Gerade auf der politischen Ebene sind einige herrlich undogmatische Leute in Ämter gekommen, die Kantonsgrenzen wegdenken und das grosse Ganze sehen. In diesem Sinn dürfen wir optimistisch ins neue Jahr gehen. Jedenfalls, wenn der Startfuror dieser Leute nicht verklingt.

Aber das eine hängt mit dem anderen zusammen. Wenn wir unsere Hausaufgaben vor Ort – sprich Spitäler – anständig erledigen, ist das auch ein Markenzeichen nach aussen. Da darf man sich keine Illusionen hingeben: Wenn der Kanton St.Gallen, der zumindest vom Rest der Schweiz durchaus als Taktgeber für die Ostschweiz wahrgenommen wird, ob zu Recht oder Unrecht, hier keine vernünftige Strategie für die Zukunft findet, fällt das auf alle zurück. In diesem Sinn ist die Mission für 2020 vorgegeben. Man möchte diesbezüglich optimistisch sein – aber es fällt schwer.

Quelle: Die Ostschweiz

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