Der Wilde Osten

Viele Gesuche gingen ein: Appenzell als Bürgerort ist heiss begehrt

Ein Blick in die Einbürgerungsstatistik von Appenzell Innerrhoden zeigt: 36 Prozent aller Gesuche stammen von Schweizern. Sie alle wollen Appenzell als Heimatort. Warum die Nachfrage so gross ist, ist unklar. Aber Erklärungsansätze gibt es.

62 Gesuche gingen ein. 49 Personen ausländischer Herkunft wurden in den vergangenen zehn Jahren in Appenzell Innerrhoden dann auch tatsächlich eingebürgert. Das lässt sich der Einbürgerungsstatistik entnehmen, welche die Kommission Recht und Sicherheit dem Grossen Rat vorlegt. Eine Statistik, die geringe Zahlen aufweist und vermeintlich wenig Spannendes offenbart. Doch das trügt. Sie beinhaltet eine kleine Besonderheit. So werden in kaum einem anderen Kanton so viele Gesuche von Schweizerinnen und Schweizern behandelt wie im innerrhodischen. Zusätzliche 28 Gesuche stammen nämlich von Personen, die bereits über den Schweizer Pass verfügen; sie beantragen ein zusätzliches Gemeindebürgerrecht (Heimatort) oder Bürgerrecht. In Relation zu den eingangs erwähnten 49 Gesuchen sind das satte 36 Prozent.

Doch warum ist der Ansturm auf das Bürgerrecht in Appenzell dermassen gross? Grossrätin Ursi Dähler-Bücheler, Präsidentin der Kommission für Recht und Sicherheit, kann nur mutmassen. Für die Gutheissung des Gesuchs muss eine Verbundenheit zur Einbürgerungsgemeinde nachgewiesen werden. Das kann einerseits durch einen langjährigen Wohnsitz oder durch eine sonstige besondere Verbindung erfolgen. So erhält beispielsweise bei einer Hochzeit die Frau automatisch den Bürgerort des Mannes zugesprochen. Umgekehrt ist dies nicht der Fall. Möglich daher, falls das Paar sich in Appenzell Innerrhoden niederlässt, dass das Bürgerortsgesuch des Mannes folgen wird. «Der Appenzeller Bürger ist ein stolzer Bürger», so Dähler-Bücheler.

«Wer hier lebt, spürt eine grosse Verbundenheit mit den Traditionen, der Landschaft, den Menschen.»

Den Bürgerort zu beantragen, sei darum in Dähler-Büchelers Augen nachvollziehbar. Die von der Kommission vorgelegten Zahlen zeigen auch: Kein Gesuch für den Erhalt des Bürgerorts Appenzell wurde in den letzten Jahren abgelehnt. «Warum sollten wir auch? Einen triftigen Grund könnte ich mir kaum vorstellen.»

Viele Gesuche von Personen aus Bosnien

Augenfällig in der Statistik ist weiter: Es gehen viele Einbürgerungsgesuche von Personen aus Bosnien ein, wie auch von Deutschen. Diese beiden Nationen stehen seit Jahren an der Spitze der Innerrhoder Einbürgerungsstatistik. Eine genaue Erklärung, warum das so ist, hat Ursi Dähler-Bücheler nicht. Die relativ hohe Anzahl an Gesuchen von bosnischen Staatsbürgern sieht sie im Zusammenhang mit dem dortigen Kriegsgeschehen 1992–1995. Viele flüchteten damals auch in die Schweiz – und blieben hier. «Gut möglich, dass die zweite Generation, welche hier aufgewachsen ist, sich versucht einzubürgern», so die Grossrätin weiter. 21 Gesuche gingen in den vergangenen zehn Jahren ein, 15 Personen wurden eingebürgert. Und warum werden so viele Gesuche von Deutschen gezählt? «Für diese ist Appenzell Innerrhoden sicherlich eine Option, da sie hier keine Sprachbarriere zu bewältigen haben.» 13 Deutsche wurden seit 2010 eingebürgert. Deutlich mehr als von der nachfolgenden Nation in der Statistik, der Türkei. Hier waren es gerade einmal vier Personen.

So oder so: Für Grossrätin Ursi Dähler-Bücheler ist die Nationenzugehörigkeit nicht entscheidend. «Wir wollten mit der Statistik lediglich die Gerüchte verstummen lassen, dass bei uns schlichtweg jeder eingebürgert wird.» Solchen Vorwürfen sieht sich die Kommission für Recht und Sicherheit nämlich ausgesetzt. Und dagegen wehrt sie sich. 13 Gesuche respektive 17 Prozent wurden abgelehnt. Und, führt Dähler-Bücheler aus: «Das Prozedere zur Einbürgerung entspricht dem Schweizer Bürgerrechtsgesetz und ist für alle Gesuchsteller, egal welcher Nationalität, dasselbe.»

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