Volkswirtschaftsdepartement Kanton Appenzell Innerrhoden

Digitalisierung in der Gastronomie - Die Betriebe richten sich laufend neu aus

Vom aktuellen Lockdown ist – nebst vielen anderen Branchen – insbesondere die Gastronomie stark betroffen. Doch gerade in einer solchen Krise eröffnen sich auch neue Chancen und Möglichkeiten, den eigenen Betrieb auf die digitale Zukunft auszurichten.

Unter grossem Aufwand wurden Schutzkonzepte erstellt, Räume umgestaltet und Hygienemassnahmen umgesetzt. Dennoch steht die Gastronomie im Moment praktisch still. Die einzige Ausnahme bieten die verschiedenen Take-Away Angebote, welche innert kürzester Zeit geschaffen wurden. Nebst der Möglichkeit, das Wunschmenu vor Ort abzuholen, werden auch Lieferservices nach Hause oder in Firmen umgesetzt.

Wachsende Herausforderungen

Bereits vor dem Lockdown wurden die Gastro-Betriebe mit der ständigen Anpassung der geltenden Massnahmen vor unzählige Herausforderungen gestellt. Um das Contact-Tracing zu erfüllen, wurden rasch entsprechende Zettel erstellt, welche die Gäste von Hand auszufüllen hatten. Die Speisekarten mussten nach Gebrauch entsorgt werden oder der Gast nahm seine Menüwahl anhand einer Tafel vor. Dass dies keine Lösung auf Dauer ist, zeigte sich für viele Betriebe schnell. Patrick Schai aus Gais und Diego Fässler aus Appenzell erkannten zudem, dass sie ein funktionierendes System benötigen, um die damals geltenden Beschränkungszahlen von 300 Personen einzuhalten. So taten sie sich kurzerhand mit ihrem guten Bekannten Chris Tanner zusammen und entwickelten eine digitale Lösung.

Kostenloses System

Chris Tanner erklärt: «Auch mein Unternehmen Visual Fantastix stand von einem Tag auf den anderen mehr oder weniger still. Deshalb machte ich mir Gedanken darüber, wie ich meine Zeit sinnvoll nutzen und etwas einwickeln könnte, das einen Mehrwert bringt. So entstand innert kurzer Zeit das System Etables. Es war mir von Anfang an wichtig, dass es möglichst benutzerfreundlich ist und flexibel erweitert werden kann – je nachdem, welche neuen Vorgaben von Bund und Kanton erlassen werden. Etables war somit immer auf die neusten Regelungen ausgerichtet. Da die Gastro-Branche sonst schon stark von den Corona-Massnahmen betroffen war, entschloss ich mich zudem, das System kostenlos anzubieten.»

Einfache und flexible Anwendung

Die Anwendungsbereiche von Etables sind vielfältig: so kann neben der klassischen Gästedatenerfassung auch die Menü- und Getränkekarte des Betriebes hinterlegt werden. Besonders interessant ist diese digitale Lösung zudem für die Alterskontrolle bei den Gästen, erklärt Diego Fässler von der mountain Bar Appenzell: «Dank dieses Systems können wir eine einmalige Verifizierung der Gäste vornehmen und so prüfen, ob sie alt genug für den Zutritt sind. Beim nächsten Besuch scannt der Gast den entsprechenden QR-Code, ohne dass er sich erneut verifizieren muss. So können wir den Eintritt rasch abwickeln und verringern den Lärm auf der Strasse». Da auch beim Verlassen des Lokals ein QR-Code gescannt werden muss, erhalten die zuständigen Behörden sehr genaue Angaben zur Aufenthaltsdauer der Gäste. Die vom Gast erfassten Daten wie Name, Mailadresse und Telefonnummer werden lokal auf dem Mobiltelefon gespeichert. Beim Scannen des QR-Codes im nächsten Restaurant, welches das gleiche System nutzt, sind die Daten dadurch bereits hinterlegt und mit nur einem Klick ist die Anmeldung am Tisch erledigt. «Natürlich mussten wir uns zusätzlich auch mit den Datenschutzvorgaben befassen. Das System löscht daher die erfassten Daten auf den Datenbanken der Restaurants nach der gesetzlichen Frist von 14 Tagen» führt Chris Tanner weiter aus.

Nutzung über Kantonsgrenze hinweg

Wie viele Gastro-Betriebe in Appenzell Innerrhoden das System nutzen, ist laut Chris Tanner schwierig zu sagen. In der gesamten Schweiz sind es jedoch um die 700 bis 800 Unternehmen. Dabei nutzen nicht nur klassische Gastronomiebetriebe die praktische Lösung, sondern – während Zeiten, wo Events in eingeschränkter Form möglich waren – auch Veranstalter. Als Beispiel kann hier der Tröfflitrail genannt werden. Entsprechend haben sich die Anforderungen und Nutzungsmöglichkeiten laufend weiterentwickelt. Chris Tanner hat bisher rund zwei Monate Arbeit ins System investiert, möchte den Gastronomen das System jedoch weiterhin kostenfrei zur Verfügung stellen.

Zeit und Geld sparen

Nicht nur coronabedingt richten viele Gastronomen ihre Arbeitsabläufe immer digitaler aus. So nehmen Service-Mitarbeitende die Bestellung heute nicht mehr auf einem Schreibblock auf, sondern tippen diese in ein Gerät, damit am Buffet und in der Küche die Bestellungen direkt ausgedruckt oder auf einem Bildschirm angezeigt werden. Intelligente Kassensysteme sorgen dafür, dass die Konsumationen eines ganzen Tischs problemlos pro Person aufgeteilt werden können. Zudem lassen sich Präferenzen von Stammgästen hinterlegen. So kann ein Teil des Laufwegs vom Servicepersonal eingespart werden, was die Effizienz des Betriebs erhöht. Digitale Tischreservationssysteme oder Buchungstools für Übernachtungen verringern den administrativen Aufwand. Auch der Wareneinkauf entwickelt sich ständig weiter: inzwischen gibt es Systeme, bei denen der Lieferant automatisch das entsprechende Produkt nachliefert, sobald es aus dem Lager entnommen und abgescannt wurde. Natürlich lohnen sich solche Investitionen vor allem für grössere Betriebe, doch auch in kleineren Restaurants ist es inzwischen alltäglich geworden, die Lebensmittelbestellung nicht mehr per Fax, sondern über ein Online-Bestelltool zu erfassen. Entsprechend haben auch die Lieferanten ihre Angebote digitalisiert und sich neu ausgerichtet. Die Digitalisierung von solchen Abläufen erspart Zeit und im Endeffekt Geld für alle Beteiligten der Wertschöpfungskette.

Vielfältige Herausforderungen

Stephan Sutter, Präsident von GastroAI bestätigt: «Bei den meisten Betrieben sind digitale Systeme und Abläufe schon fest verankert. Fast jedes Restaurant im Kanton hat eine eigene Webseite und auch die Werbung findet immer stärker in den sozialen Medien statt. Die Digitalisierung bringt aber auch Herausforderungen mit sich: so ist beispielsweise der WLAN-Empfang für die Gäste noch nicht in allen Betrieben ideal. Dies liegt aber oftmals am Empfang, welcher im Alpstein teilweise mangelhaft ist.» Auch bei den Zahlungsterminals wünscht sich Stephan Sutter eine Weiterentwicklung: «Die bargeldlosen Zahlungen nehmen stark zu. Die Terminals sind aber viel zu langsam, zu gross und benötigen immer noch Papier. Es wäre wünschenswert, dass die Quittung per SMS oder E-Mail an den Gast übermittelt werden kann.» Als problematisch schätzt Stephan Sutter Bewertungsportale wie Tripadvisor und booking.com ein: «Diese bieten dem Endkonsumenten zwar eine schnelle Informationsmöglichkeit, setzen die Gastronomen jedoch unter Druck. Als Betrieb kann man sich fast keine Fehler mehr erlauben, da diese negativen Bewertungen mit sich ziehen, die im Internet bestehen bleiben und nicht nach einer gewissen Zeit gelöscht werden. Das kann einen grossen Schaden anrichten.»

Positiver Ausblick

Stephan Sutter ist davon überzeugt, dass sich die Innerrhoder Gastronomiebetriebe von der Pandemie nicht unterkriegen lassen. «Wenn der Frühling Einzug hält und die Massnahmen gelockert werden, wird die Bevölkerung sicherlich wieder gerne und oft in den hiesigen Gaststätten einkehren.»

(Text: Katia Wyss)

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Das Volkswirtschaftsdepartement (VD) beschäftigt sich mit volkswirtschaftlich relevanten Themen wie Arbeit, Öffentlicher Verkehr, Wirtschaftsförderung und Regionalpolitik, Grundbuch und Handelsregister und ist somit dienstleistungsorientiert. Die Mitarbeitenden des Departements setzen sich für die Innerrhoder Bevölkerung und Wirtschaft ein. Ziel ist die nachhaltige Stärkung und Entwicklung des Wohn-, Arbeits- und Wirtschaftsstandorts Appenzell I.Rh. Dem Departement sind acht Ämter und das Departementssekretariat angegliedert: Departementssekretariat Amt für öffentlichen Verkehr Amt für Wirtschaft Arbeitsamt Betreibungs- und Konkursamt Erbschaftsamt Grundbuchamt Handelsregisteramt Stiftungsaufsicht

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